Die Finanzkrise, das Geld und die Zukunft?
Meine Großeltern sehe ich nur selten. Das war schon immer so, mit dem Umzug nach Luxemburg ist das auch nicht besser geworden. Über die Feiertage konnte ich aber beide besuchen und von dem einem Opa muss ich wohl mein Interesse für Geld geerbt haben, was sich zugegebenermaßen sowohl auf die theoretische als auch praktische Ebene bezieht. Auf jeden Fall fragte mich dieser besagte Opa, woher denn der Staat jetzt das Geld für die Banken, Autohersteller und sonstige derzeit reichlich vorhandene Bittsteller nehmen würde.
Helicopter money
Zunächst einmal ist festzustellen, dass es sich bei den vom Staat zur Verfügung gestellten Geldern nicht um sogenanntes helicopter money handelt. Dieser Begriff lässt sich auf eine Idee Milton Friedmans zurückzuführen, die vorschlägt, den Individuen einer sich in einer Liquiditätsfalle befindenden Gesellschaft direkt finanzielle Mittel ohne den “Umweg” über Finanzintermediäre (Banken usw.) zur Verfügung zustellen, es also vom Himmel oder eben vom Helikopter regnen zu lassen. Unabhängige Zentralbanken, die sich dadurch auszeichnen, dass sie keiner staatlichen Kontrolle obliegen, drucken allerdings aus vielerlei berechtigten Gründen nicht einfach so Geld, was zwingende Voraussetzung für helicopter money wäre. Die Europäische Zentralbank wurde ebenfalls nach dem Unabhängigkeitsprinzip entworfen. Sie führt also das bewährte Modell der Deutschen Bundesbank fort, druckt demnach allerdings auch kein Geld.
Wie finanziert der Staat seine Rettungsaktionen
Wenn das Drucken von Geld als sowieso wenig dauerhafte Lösung ausfällt, bleibt dem Staat lediglich seine originäre und prinzipiell einzige Finanzierungsquelle: seine Bürger. Das mag trivial klingen, ist aber entscheidendes Kriterium für die volkswirtschaftliche Bewertung von Rettungspaketen, Rettungsschirmen oder sonstigen vom Staat geschnürten Finanzpaketen bei denen effektiv Geld fließt und nicht lediglich Garantien ausgesprochen werden. Dazu allerdings erst später mehr. An dieser Stelle sei lediglich darauf hingewiesen, dass es nicht unbedingt Steuergelder sein müssen, die der Staat für die Finanzierung der versprochenen Pakete verwendet. Im Falle der Finanzkrise ist es sogar unwahrscheinlich, lassen sich damit einhergehende Steuererhöhungen in rezessiven Phasen – vom Superwahljahr 2009 sei ohnehin abstrahiert – doch kaum rechtfertigen. Übrig bleibt also einzig und allein der Weg der Neuverschuldung. Der Clou an der ganzen Sache ist nun, dass der Staat eben nur eine einzige Quelle der Neuverschuldung kennt: seine Bürger (von ausländischen Investoren sei der Einfachheit halber abgesehen).
Staatsanleihen müssen bedient werden
Indem also der Bürger direkt oder indirekt (z.B. über Lebensversicherungen) Staatsanleihen oder Bundeswertpapiere erwirbt, finanziert er die Neuverschuldung des Staates. Für welche Zwecke sein auf Zeit veranlagtes Geld allerdings ausgegeben wird, liegt nicht in seiner Hand. So ist es demnach durchaus möglich, dass ein “Öko” mit seinem Geld die Autoindustrie rettet. Vorerst entscheidender ist aber die Tatsache, dass der Staat seine begebenen Anleihen irgendwann auch bedienen muss. In der staatsökonomischen Idealvorstellung geschieht dies in wirtschaftlichen Boomphasen, während die Begebung vor allem in rezessiven Phasen erfolgt. Die Realität sieht freilich anders aus. So reichten die letzen Jahre wirtschaftlichen Wachstums zuletzt lediglich für eine knappe schwarze Null im Bundeshaushalt, an den Abbau bereits bestehender Staatsverschuldung war überhaupt nicht zu denken. In diesem Sinne verschiebt der Staat über den Umweg der Neuverschuldung die eigentliche Finanzierung lediglich in die Zukunft. Und diese Zukunft wird schlussendlich doch der Steuerzahler finanzieren.
Welche Fragen wir uns stellen müssen
Natürlich ist das alles nichts Neues. Denn erst über den Prozess der andauernden von den Bürgern finanzierten Neuverschuldung konnte die Bundesrepublik Deutschland ihren von den Bürgern weiterhin zu finanzierenden Schuldenberg anhäufen. Gerade vor dem Hintergrund des globalen Charakters der aktuellen Finanzkrise drängen sich unserer Gesellschaft damit wiedermal zwei essenzielle Fragen auf: 1) Wie lange wollen wir noch die Finanzierungslast der (Neu-)Verschuldung auf nachfolgende Generationen verschieben? Und die wohl relevantere 2) Welche auf Neuverschuldung basierende Investitionen halten einer wohlfahrtstheoretischen Betrachtung stand oder sind wohlfahrtstheoretisch gar zu bevorzugen?
Schade, Punkt 1 würde Punkt 3 lösen.
Wie genau meinst Du das?