Das Wort des Tages: konzertiert

Mittwoch, Oktober 8, 2008
By sr

Finanzwelt, Wirtschaft und überhaupt alle Beteiligten und Betroffenen haben auf die heutige konzertierte Zinssenkung der großen Zentralbanken gewartet. Nach einer etwa halbstündigen Erholung der Aktienmärkte ging es sogleich weiter mit der Talfahrt.

Konzertiert ist wohl eine Ableitung des Wortes “Konzert”. Damit soll sicherlich auf den angenehmen Klang eines gut zusammenspielenden Orchesters abgestellt werden. Letzteres entspricht in diesem Fall den Zentralbanken, die heute alles aus ihrem geldpolitischen Instrumentarium herausgeholt haben. Dem Paukenschlag allerdings wurde seine überraschende Wirkung versagt. Das Überraschungsmoment als ganz eigenes Instrument der Geldpolitik musste in diesem Fall sein Ziel verfehlen. Zum einen konnte bereits vor der Senkung keine Rede von kontraktiven Zinsen sein. Zum anderen nutzt es den Aktiven auf den kurz- und mittelfristigen Geldmärkten reichlich wenig, wenn die Differenz zwischen gehandelten oder besser gestellten Preisen und von Zentralbanken vorgegebenen Preisen nun um 50 Basispunkte zu-, anstatt um x Basispunkte abnimmt.

In diesem Sinne mag die globale Geldpolitik heute sehr wohl konzertiert gespielt haben. Nur war es eben das falsche Stück zum falschen Zeitpunkt für Adressaten, die momentan sowieso kein offenes Ohr haben. Es bleibt also vorerst nur zu hoffen, dass die Zentralbanken keine weitere wertvolle Munition ihres klassischen Arsenals verschießen. Eine Lösung der eigentlichen Vertrauenskrise erfordert anscheinend andere Mittel. Sollte dies schlussendlich doch die rettende, für den Liberalismus allerdings sehr bittere Staatspille sein, sind viele das zukünftige Finanzsystem betreffende Fragen zu klären.

Eines jedoch sollte schon jetzt betont werden. Es ist vor allem die Diversifikation, die Risiken im weltweiten Finanzsystem minimiert, weniger der konzertierte Gleichklang. Schließlich war es letzterer, der viele Akteure in die gleichen Assets investieren ließ.

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