Integrative Wirtschaftsethik
Wirtschaftsethik ist ein gar nicht mehr so neuer Wissenschaftszweig, der hierzulande – und anderswo wohl auch – kaum Beachtung findet. An nur wenigen Universitäten gibt es Kurse oder gar einen Lehrstuhl. Das merkt man, wie ich meine.
Worum geht es dabei? Die einzige Leitzahl, die in der modernen Wirtschaft zählt, ist die Ertragssteigerung und der damit verbundene Shareholder Value. Das reicht nicht aus, finden Leute wie Peter Ulrich. Sie plädieren für eine ganzheitliche Sicht des Wirtschaftens. Peter Ulrich prägt in seinem Buch „Integrative Wirtschaftsethik” den Begriff Stakeholder Value und meint damit alle am Unternehmen und an dessen Handeln Beteiligte. Dazu gehören neben den Aktionären auch die Mitarbeiter, die Kunden, die Mitbewerber, die Nachbarn, die Behörden und nicht zuletzt die Umwelt. Der Ertrag in Euro, Dollar oder Yen sollte nicht länger als der einzige Parameter des Unternehmensgewinns gelten. Vielmehr sollten auch Werte wie zum Beispiel das Ansehen des Unternehmens, der langfristige Unternehmensbestand und das umweltverträgliche und gesetzeskonforme Produzieren als Gewinn betrachtet werden, die zugegebenermaßen nur schwer zu bestimmen sind. Dem steht das gegenwärtige Entlohnungssystem des Managements entgegen, bei dem es ausschließlich um die Quartalsbilanzen geht. Diese verengte Sicht auf das Quartalsergebnis behindert das Unternehmen in seiner Entwicklung und schadet langfristig auch den Aktionären.
Peter Ulrichs integrative Wirtschaftsethik zeigt Wege aus dieser Sackgasse auf, die hin zu einer lebensdienlichen Ökonomie führen können, von der alle Beteiligten profitieren.
Die integrative Wirtschaftsethik umfasst, wie es im Klappentext heißt, nach der Begründung des vernunftethischen Standpunktes, drei Grundaufgaben:
1.
die Kritik der reinen ökonomischen Vernunft und ihrer normativen Überhöhung zum Ökonomisus. (Sachzwangdenken und blinder Glaube an den globalen Markt)
2.
die Klärung der ethischen Gesichtspunkte einer lebensdienlichen Ökonomie (Sinnorientierung und Legitimitätsgrundlagen des wirtschaftlichen Werteschaffens)
3.
die Bestimmung der Orte der Moral des Wirtschaftens in einer Gesellschaft freier Bürger (Wirtschaftsbürgerethik, Ordnungsethik, Unternehmensethik)
Das Thema Wirtschaftsethik ist keines, das man sich mal so nebenbei „reinziehen” kann. Es erfordert schon ein gewisses Maß an Einarbeitung, aber sich damit zu beschäftigen erweist sich regelmäßig als lohnend. Wer sich näher mit dem Thema befassen möchte, kann sich wegen einer Bücherliste gern an mich wenden.