Disposition Effect, Momentum und meine ersten Optionsscheine
Vor ungefähr vier Jahren erwarb ich meinen ersten Call. Das damalige Underlying ist die Aktie von Apple Inc. gewesen, und bis auf einige Ausnahmen blieb es auch für lange Zeit mein “Lieblings-Underlying”.
Der Disposition Effect kostet Rendite
Etwas naiv und rein aus dem Bauch heraus investierte ich also wahnsinnige 60 (in Worten: sechzig) EUR plus Ordergebühren in einen Apple-Call. Sechs Wochen später sind aus diesen 60 EUR immerhin realisierte 180 EUR geworden. Und hätte ich nur etwas mehr Resistenz gegenüber dem Disposition Effect gezeigt, wäre mir nach weiteren sechs Wochen die Realisation von 1800 EUR möglich gewesen. Leider hörte ich erst einige Semester später in einer Vorlesung zur Behavioral Finance von der Tendenz vieler Investoren, Verluste höher als Gewinne zu bewerten, und damit Gewinne zu früh und Verluste zu spät (oder womöglich gar nicht) zu realisieren.
Das Momentum zum Glück
Meinem Erfolg mit Calls auf Apple Inc. tat dies allerdings vorerst keinen Abbruch. Immerhin lief die Apple-Aktie auch in den nachfolgenden Perioden sehr gut. Zwar unterlag ich einerseits immer wieder dem Disposition Effect, andererseits lohnte sich das sinnlose “rein und raus” trotz der damit verbundenen Transaktionskosten: Mir spielte das positive Momentum der Apple-Aktie in die Hände. Letzteres ist neben der Methodik der Chart-Analyse auch Gegenstand der Behavioral Finance, die das Momentum unter anderem mit dem Herdenverhalten der Investoren zu erklären versucht. Von Momentum hatte ich seinerzeit natürlich auch noch nie gehört. Glück hat es mir trotzdem gebracht.
Das große Geld lässt noch auf sich warten
Reich bin ich durch die Calls auf mein “Lieblings-Underlying” bisher nicht geworden. Das lag nicht nur daran, dass ich die Gewinne nicht konsequent durch Prolongationen meiner Optionsscheine auf Apple Inc. reinvestierte, sondern ist vor allem darin begründet, dass ich mit oben benannten “Ausnahmen” viel Geld verloren habe. Die Gewinne durch die Calls subventionierten sozusagen die teils immensen Verluste (siehe Disposition Effect) aus Währungswetten, die ich damals ebenfalls oft einging.
Mein letzter Call auf Apple Inc. ist nun bereits eine ganze Weile her. Und der Blick auf den Kursverfall der letzten Monate sollte mich eigentlich an die Momentum-Theorie der Behavioral Finance erinnern. Aber könnte der aktuelle Kurs nicht doch das ideale Niveau für einen Wiedereinstieg erreicht haben?
Leg einfach mal ein Lineal an.
Dann leg Du jetzt mal ein “2-Tages-Lineal” an ;-)
Einen Gastbeitrag würde ich auch gern mal verfassen.
Sehr gerne :-)
Hallo,
mich würde interessieren, ob es Dir gelungen ist, mit Hilfe des Wissens um den Dispositionseffekt dein Verhalten zu ändern und deine Gewinne später zu realisieren.
Es gibt Möglichkeiten diesem Effekt entgegen zu wirken. Die Frage ist, ob das reine Wissen um die Existenz eines solchen Effektes auch schon eine Verbesserung bewirkt.
Eine Rückmeldung würde mich sehr freuen.
Beste Grüße!
Hallo Martin,
bei mir trat nach wie vor der Dispositionseffekt auf. Das reine Wissen darüber scheint in dem Sinne also noch nicht die Lösung zu sein.
Dazu im Gegensatz stehen dann allerdings wieder andere Erfahrungen wie zum Beispeil “wäre ich mal rausgegangen… den Hals nicht voll bekommen” usw. usf.
Viele Grüße,
Sebastian
Es gibt da schon ein paar Ansätze, den Dispositionseffekt in den Griff zu bekommen. Risiko- und Moneymanagement sind dafür unablässlich und letztendlich die Disziplin, gesetzte Regeln einzuhalten.
Leichter gesagt als getan, aber die Übung bringt Verbesserungen im Verhalten und damit auch im Ergebnis. Vielleicht findest du in meinem Blog (www.behavioralfinanceblog.de) ein paar hilfreiche Infos für dich. Du kannst mich zum Erfahrungsaustausch auch gerne mal per Email anschreiben, die Adresse hast du jetzt ja.
Gruß,
Martin